Online-Händler aufgepasst! Das ändert sich bei der Umsatzsteuer ab 1. Juli 2021

29. April 2021

Unternehmer, die in anderen EU-Staaten Dienstleistungen an Privatpersonen erbringen oder dorthin an Privatpersonen (B2C) Waren verkaufen, müssen vom 1. Juli an wichtige Neuerungen beachten. Bisher müssen sie sich beim Überschreiten der jeweiligen Lieferschwelle bei den Finanzbehörden in jedem Land, in dem sie Kunden haben, registrieren lassen. Sie müssen dort auch nach den jeweiligen Regeln des Landes und teilweise ausschließlich in der Landessprache ihre Umsatzsteuererklärung machen und die Steuern zahlen. Es gilt jeweils die Lieferschwelle im Land des Kunden; in vielen EU-Staaten liegt sie bei 35.000 Euro netto. Für diese Unternehmen gab es in der Vergangenheit den Mini-One-Stop-Shop (MOSS), der es ermöglichte die Umsatzsteuer entsprechend der jeweiligen Steuersätze einheitlich in Deutschland zu entrichten.

Neue Umsatzschwelle gilt EU-weit: 10.000 Euro

Zum 1. Juli 2021 wird die Umsatzschwelle für die B2C-Geschäfte auf 10.000 Euro abgesenkt – und zwar EU-weit und nicht mehr pro EU-Land. Demzufolge müssen inländische Unternehmen wesentlich häufiger die Steuer in den Ländern ihrer Kunden entrichten. Damit dies nicht zu aufwendig wird, richtet das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) einen „One-Stop-Shop“ (OSS) ein, der auch „einzige Anlaufstelle“ genannt wird. Zusätzlich werden mit dem sogenannten EU-Digitalpaket ab 1. Juli weitere Leistungsarten in das „OSS“-Verfahren einbezogen.

Aus MOSS wurde OSS

Bereits zum 1. April 2021 wurde der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) zum One-Stop-Shop (OSS) ausgebaut. Auch alle sonstigen Leistungen, die ab dem 1. Juli an nichtsteuerpflichtige Leistungsempfänger erbracht werden, sowie die sogenannten Fernverkäufe (Versendungen) an Privatpersonen, können über den OSS versteuert werden. Bereits ab einem einheitlichen Schwellenwert von 10.000 Euro pro Kalenderjahr werden derartige Warenversendungen an Privatpersonen und andere nichtsteuerpflichtige Abnehmer am Ankunftsort der Waren im übrigen Gemeinschaftsgebiet versteuert.

Bundeszentralamt als zentrale "Sammelstelle" für die Umsatzsteuer der anderen EU-Länder

Der geplante OSS beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) soll zu einer Art Vertretung der Finanzämter anderer EU-Staaten in Deutschland werden. Der steuerpflichtige Online-Händler gibt in einer elektronischen Steuererklärung beim OSS an, welchen Umsatz er mit Verkäufen an private Kunden in welchen Ländern erzielt hat. Anschließend zahlt er die selbst berechneten Steuern – nach den aktuellen Umsatzsteuersätzen in den Ländern seiner Kunden – an das BZSt. Dieses rechnet mit der Finanzverwaltung der übrigen EU-Staaten ab und überweist die jeweils fälligen Steuerbeträge. Ganz neu ist das Verfahren nicht: Für elektronisch erbrachte Dienstleistungen sowie Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen wurde dies bereits in der Vergangenheit mit dem MOSS so gehandhabt.

Die betroffenen Unternehmen können somit bei Überschreiten der Umsatzschwelle zwischen zwei Alternativen wählen:

  1. Versteuerung der Umsätze im Bestimmungsland mit der entsprechenden Registrierung im jeweiligen Bestimmungsland.
  2. Einmalige Registrierung beim OSS und Entrichtung der Umsatzsteuer über das Bundeszentralamt für Steuern in einem Betrag.

Die Teilnahme ist ein Wahlrecht, aber empfehlenswert!

Um den OSS und das besondere Besteuerungsverfahren nutzen zu können, müssen sich Unternehmer beim Bundeszentralamt für Steuern registrieren lassen. Aber Achtung: Die Registrierung muss vor dem Beginn des Besteuerungszeitraums, in dem das Besteuerungsverfahren erstmals gelten soll, erfolgen. Der Besteuerungszeitraum bei diesem Verfahren ist das Kalendervierteljahr.

Beispiel: Der Online-Buchhändler A aus Berlin hat die neue Umsatzgrenze von 10.000 Euro im vergangenen Jahr mit den Lieferungen nach Frankreich (6.000 Euro) und Österreich (7.000 Euro) überschritten. Da er ab dem 1. Juli 2021 weiterhin Fernlieferungen an Privatkunden nach Frankreich und Österreich vornehmen wird und sich dort nicht jeweils registrieren möchte, sollte ab dem III. Quartal 2021 das OSS-Verfahren genutzt werden.Hierfür muss die Registrierung bis spätestens zum 30. Juni 2021 erfolgt sein muss. Da die Registrierung laut BZSt zwischen zwei und vierzehn Werktagen dauern kann, sollte die elektronische Anmeldung spätestens Mitte Juni erfolgen.

Die Anmeldung ist auf den Internetseiten des Bundeszentralamtes für Steuern, „nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung“ unter Angabe der Umsatzsteueridentifikationsnummer möglich. Die Nachricht über die abschließende Bearbeitung der Registrierungsanzeige wird vom BZSt in der Regel innerhalb von zwei bis vierzehn Werktagen nach deren Eingang in Form der Registrierungsnummer bekannt gegeben.

Fehler können leichter berichtigt werden

Gegenüber dem Verfahren mit dem auslaufenden MOSS-Verfahren ist die Frist für die Abgabe der Steuererklärung im OSS-Verfahren etwas großzügiger: War die Steuer bisher spätestens am 20. Tag nach dem Ende des Besteuerungszeitraums zu erklären und zu überweisen, so kann dies jetzt bis zum Ende des Monats nach dem Ende des Besteuerungszeitraums geschehen. Eine weitere Verbesserung ist, dass eine Fehlerkorrektur zu einer bereits eingereichten Steuererklärung auch einfach mit der nächsten Steuererklärung möglich ist.

Die Finanzbehörden sehen das besondere Besteuerungsverfahren und den OSS als Entgegenkommen gegenüber dem Steuerpflichtigen an. Dafür erwarten sie, dass die teilnehmenden Unternehmer sich an die Regeln halten, die Steuern fristgemäß erklären und entrichten sowie ihren Aufzeichnungspflichten nachkommen. Bei wiederholten Verstößen gegen diese Vorgaben kann die Finanzverwaltung Unternehmen vom besonderen Besteuerungsverfahren ausschließen.

Wir sind Ihnen bei der Registrierung für das neue Verfahren und der Umsetzung in der Finanzbuchführung sehr gerne behilflich.

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