Betriebsrente durch Entgeltumwandlung: Beitragszuschuss des Arbeitgebers nun Pflicht!

4. Januar 2022

Ab Januar 2022 muss jeder Arbeitgeber, der eine Entgeltumwandlung über eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds durchführt und dabei Sozialversicherungsbeiträge einspart, 15 Prozent des umgewandelten Entgelts, höchstens jedoch die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge als Zuschuss in den jeweiligen Versorgungsträger leisten. Direktzusagen und Unterstützungskassen sind nicht betroffen. Diese Regelung des sog. Betriebsrentenstärkungsgesetzes, die zunächst nur Neuzusagen ab dem 1. Januar 2019 betraf, wird nun auf sämtliche Entgeltumwandlungsvereinbarungen erweitert. Eine Ausnahme gilt in dem Fall, dass ein Tarifvertrag Anwendung findet, der von dem gesetzlich vorgesehenen Zuschuss abweicht.

Hintergrund dieser Regelung im sog. Betriebsrentenstärkungsgesetz ist, dass die vom Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung ersparten Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung dem Arbeitnehmer zugutekommen sollen. Beteiligen Sie sich bereits zu mindestens 15 Prozent an der Betriebsrente Ihrer Arbeitnehmer? Dann müssen Sie nichts ändern.

Die Zuschusspflicht besteht allerdings nur für tatsächlich ersparte Sozialversicherungsbeiträge. Da für umgewandeltes Entgelt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung weder Beiträge zur Rentenversicherung noch zur gesetzlichen Krankenversicherung anfallen, liegt hier auch keine Ersparnis vor und es wird kein Zuschuss fällig.

Wird Entgelt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung, aber oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung umgewandelt, dann erspart der Arbeitgeber nur die Beiträge zur Rentenversicherung und zur Arbeitslosenversicherung. Hier hat er das Wahlrecht, ob er pauschal 15 % des umgewandelten Entgelts als Zuschuss zahlt oder nur die tatsächlich ersparten Sozialversicherungsbeiträge. Der Arbeitgeber kann hier für sich entscheiden, ob der interne Verwaltungsaufwand zur Feststellung der tatsächlich ersparten Sozialaufwendungen in jedem Einzelfall seiner Mitarbeiter eine geringere Belastung darstellt als die Pauschale von 15 % des umgewandelten Entgelts.

Wird das Entgelt unterhalb der BBG in der gesetzlichen Krankenversicherung umgewandelt, dann ist die Pauschale von 15 Prozent des umgewandelten Betrages immer geringer als die tatsächlich ersparten Sozialaufwendungen. Da der steuerrechtliche Freibetrag auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West in der allgemeinen Rentenversicherung angehoben wurde, wird der Zuschuss des Arbeitgebers zur Entgeltumwandlung in der Regel steuerfrei sein. Anders sieht es hingegen bei der Sozialversicherungspflicht aus. Da hier weiterhin nur 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West in der allgemeinen Rentenversicherung sozialversicherungsfrei sind, löst hier der Zuschuss die Beitragspflicht des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers aus, sobald der Arbeitnehmer den Höchstbetrag der 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West in der allgemeinen Rentenversicherung ausschöpft.

In der praktischen Umsetzung der Regelung stehen Unternehmen damit vor großen Herausforderungen. Im Kern geht es um komplexe Fragestellungen: Welchen Beitrag soll der Arbeitgeber als Zuschuss leisten? Was passiert mit bereits bestehenden Arbeitgeberzuwendungen? Und last but not least: Wie lassen sich nachträgliche Beitragsanpassungen im Rahmen der bestehenden Versorgungsverträge gestalten?

Bitte nehmen Sie die Hinweise Ihrer Versicherungspartner dazu ernst. Falls Sie noch nicht von dort informiert wurden, informieren Sie sich bitte bei Ihrem Versicherungspartner. Wegen der ggf. notwendigen vertraglichen Anpassungen mit Ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern lassen Sie sich bitte anwaltlich beraten.

An dieser Stelle sei auch nochmal daran erinnert, dass Sie als Arbeitgeber verpflichtet sind, Ihre Angestellten über die betriebliche Altersversorgung und den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung zu informieren. Wir empfehlen, dies zur Vermeidung von Risiken in der Personalakte zu dokumentieren.

Weiterlesen

Weitere Artikel
zum Thema »Unternehmen«

Start Ups: Mitarbeiter steueroptimal beteiligen

Die Vermögensbeteiligung von Mitarbeitern kann einen wesentlichen Beitrag zur Bindung der besten Köpfe an Ihr Unternehmen und zur Verbesserung der Produktivität leisten. ...

Alle Jahre wieder...!

Nachdem die meisten Weihnachtsfeiern im letzten Jahr coronabedingt ausgefallen sind, dürfte es dieses Jahr wieder etwas geselliger werden. Damit das Finanzamt nicht unnötig ...

Maß halten!

Nicht selten wird in den Betriebsprüfungen über das Geschäftsführergehalt diskutiert. Für dessen Angemessenheit gibt es keinen eindeutigen Wert. Damit Sie trotzdem nicht ...

Umsatzsteuer-Änderungen 2021: Das ändert sich für Online-Händler ab 1. Juli

Ab 1. Juli 2021 gelten vollkommen neue Regelungen bei der Umsatzsteuer für den EU-Online- und Versandhandel. Lesen Sie hier, was künftig bei Lieferungen an Privatpersonen ...

Wichtiges zur Umsatzsteuer ab 2021

In 2021 treten zahlreiche und grundlegende Änderungen im Bereich der Umsatzsteuer in Kraft.

Geschenke, Betriebsveranstaltungen, Verpflegungspauschalen: Lohnbuchführung 2020 prüfen!

Es gibt zahlreiche Sachverhalte, denen man auf den ersten Blick nicht ansieht, dass diese im Rahmen der Lohnabrechnung zu berücksichtigen sind. Zur Vermeidung von Nachteilen ...

Corona-Überbrückungshilfe

Informieren sie sich jetzt in unserem Blog über die Beantragung der Überbrückungshilfe, um ihr Unternehmen in der Corona-Zeit abzusichern!

Corona: Kurzarbeitergeld auch für Ärzte und Zahnärzte

Durch Weisung vom 7. Mai 2020 hat die Bundesagentur für Arbeit klargestellt, dass Ärzte, Zahnärzte und sonstige Leistungserbringer Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, nicht ...

Corona: Soforthilfe - (un)berechtigt beantragt?!

Nicht jeder, der einen Antrag auf Soforthilfe gestellt hat, war auch dazu berechtigt. Die Voraussetzungen sollten spätestens jetzt nochmals geprüft werden und ggf. zu Unrecht ...

Corona: Soforthilfe für Berliner Kultur und Medienunternehmen

Kultur- und Medienunternehmen stehen aufgrund der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Das Land Berlin stellt für diese Unternehmen Zuschüsse bis zu EUR 25.000 ...

Corona: Rückzahlung von Vorauszahlungen 2019 und Umsatzsteuersenkung für Gastronomiebetriebe

Die Koalitionspartner haben am 22. April 2020 weitere Maßnahmen zur wirtschaftlichen Bewältigung der Corona-Krise beschlossen.

Corona: Kurzarbeitergeld - Alles Wichtige zur Antragstellung

Der Koalitionsausschuss hat eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes beschlossen.

Corona: Der neue KfW-Schnellkredit mit 100 Prozent Haftungsfreistellung

Corona: Das müssen Sie jetzt wissen

Informationen und Links rund um das Corona-Virus

Corona: Unternehmen in Not - So hilft der Staat

Zur Bewältigung der Corona-Krise stellt der Staat umfangreiche Instrumente zur Sicherung der Liquidität von Unternehmen bereit.

Betriebswirtschaftliche Beratung durch Steuerberater

Nutzen Sie unseren Blick von außen zur Beantwortung betriebswirtschaftlicher Fragen.

Minijobs - Tickende Zeitbombe für Arbeitgeber?!

Angesichts von Mindestlohn und Teilzeitgesetz entwickeln sich Minijobs für Arbeitgeber zunehmend als Risikofaktor bei Betriebsprüfungen.

Unternehmensverkauf: Steuern bei Betriebsveräußerung

In der eigenen Firma, Praxis oder Kanzlei steckt oft das ganze Leben. Sie haben viel Zeit und Kraft investiert. Sie haben Ihre Selbständigkeit durch Höhen und Tiefen geführt. ...

Mehr Netto vom Brutto

Besonderes Augenmerk legen wir auf den Bereich Personalwirtschaft.

Jahresabschlüsse und Gewinnermittlungen

Wir unterstützen Sie bei der Aufstellung der gesetzlichen Jahresabschlüsse und Gewinnermittlungen.

Finanzbuchführung

Die Finanzbuchführung ist der wesentliche Teil des betrieblichen Rechnungswesens.

Unternehmensbewertung

Ein Unternehmen ist das wert, was dafür bezahlt wird?

Steuerberatung

Als Unternehmer haben Sie zahlreiche steuerliche Deklarations- und Anzeigepflichten zu erfüllen.

Unseren Blog können Sie auch via RSS empfangen, abonnieren und lesen.

Bloggerei.de