Geschenke und Steuer: Beim Schenken nichts verschenken

17. November 2019

Tue Gutes und Dir wird Gutes widerfahren. Diese alte Weisheit wird vom Finanzamt gerne außer Kraft gesetzt. Denn verteilt man an seine Arbeitnehmer oder Geschäftspartner Geschenke, muss steuerlich einiges beachtet werden. Nur bei geschickter Gestaltung sind die Kosten beim Schenker abzugsfähig und der geldwerte Vorteil beim Beschenkten bleibt abgabenfrei.

Anlässe für Geschenke finden sich immer wieder — auch im betrieblichen Alltag. Zuwendungen erfolgen aus persönlichen Anlässen, etwa:

  • bei Geburtstagen
  • bei Jubiläen
  • zur Mitarbeitermotivation
  • zur Verbesserung einer Geschäftsbeziehung
  • als kleines Dankeschön anlässlich des Weihnachtsfestes

Das Finanzamt prüft aber nicht nur, ob der Aufwand als Betriebsausgabe absetzbar ist, sondern auch, ob die Schenkung beim Empfänger als Einnahme zu versteuern ist. Denn grundsätzlich gilt: Ein Geschenk ist ein geldwerter Vorteil, der durch das Arbeitsverhältnis oder die Geschäftsbeziehung veranlasst ist. Für die optimale steuerliche Behandlung gibt es also einige Fallstricke.

Nicht personalisierte Geschenke von der Steuer absetzen

Nicht immer fallen auf Geschenke Steuern an. Grundsätzlich gilt: Geschenke und Streuwerbeartikel mit einem Anschaffungspreis bis 10 Euro dürfen bei der Pauschalierung außer Ansatz gelassen werden und sind als Betriebsausgaben abzugsfähig. Hier fällt für Unternehmer keine Pauschalsteuer an, da Streuartikel nicht als geldwerter Vorteil gelten. Bei diesen Artikeln handelt es sich etwa um Kalender, Kugelschreiber oder USB-Sticks — und damit um nicht personalisierte Artikel für eine Vielzahl an Adressaten.

Zuwendungen an Geschäftsfreunde

Als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar sind Geschenke mit einem Betrag von maximal 35 Euro (netto ohne abziehbare Vorsteuer) pro Jahr und Empfänger. Diese Zuwendungen müssen dabei betrieblich veranlasst sein und dürfen nicht mit einer Gegenleistung zusammenhängen. Weitere Voraussetzung ist, dass die Geschenke an die Geschäftspartner zeitnah gesondert aufgezeichnet und in der Buchführung auf einem separaten Konto erfasst werden. Das Finanzamt muss nachprüfen können, wer der Empfänger des Geschenks war. Wird der Grenzbetrag überschritten, kann die Betriebsausgabe bei der steuerlichen Gewinnermittlung leider nicht berücksichtigt werden: Das Geschenk ist nicht steuerlich absetzbar und der Vorsteuerabzug entfällt.

Die Steuerpflicht des beschenkten Geschäftspartners übernehmen

Auf der Seite des Beschenkten gilt der Wert des Geschenks als Einnahme und es besteht die Steuerpflicht dessen — jedoch unabhängig von einer Wertgrenze. Die Deklaration durch den Empfänger erscheint einigermaßen weltfremd, da der Schenker dem Beschenkten zu diesem Zweck den Wert des Geschenkes mitteilen müsste. Aus diesem Grund eröffnet das Gesetz dem Schenker die Möglichkeit, Geschenke von bis zu 10.000 Euro pro Jahr pauschal selbst zu versteuern und die Steuerlast vom Empfänger somit zu übernehmen. Diese Pauschalsteuer beträgt nach § 37b Einkommenssteuergesetz (EStG) 30 Prozent des Werts bzw. der Anschaffungskosten des Geschenks, inklusive Umsatzsteuer und zzgl. Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag. Macht der Schenker davon Gebrauch und will er den Betriebsausgabenabzug sichern, vermindert sich die vorstehend erwähnte 35-Euro-Grenze auf rund 26,50 Euro, da die übernommene Steuer ebenfalls als Zuwendung gilt. Gleichzeitig sollte der Beschenkte auf die Übernahme der Steuer hingewiesen werden, damit dieser das Geschenk nicht zusätzlich als Einnahme versteuert.

Zuwendungen an Arbeitnehmer

Die Ausgaben für Geschenke an Mitarbeiter können in jeder Höhe als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Dabei bleiben aus einem persönlichen Anlass übergebene Geschenke als Aufmerksamkeiten bis zu 60 Euro brutto je Anlass beim Empfänger sozialversicherungs- und lohnsteuerfrei. Solche Anlässe sind beispielsweise Jubiläen, Eheschließung oder Geburtstag. Geschenke, die den Wert von 60 Euro übersteigen, sind durch den Arbeitnehmer zuzüglich zu seinem Arbeitslohn zu versteuern. Wie für die Geschäftsfreunde kann der Arbeitgeber jedoch auch für seine Mitarbeiter die Pauschalsteuer übernehmen.

Bei den zuvor erwähnten persönlichen Anlässen ist das Weihnachtsfest nicht inbegriffen. Weihnachtsgeschenke unterliegen daher der regulären Steuerpflicht, es sei denn:

  • es handelt sich um einen Sachbezug, für den das Steuerrecht eine besondere Pauschalierungsmöglichkeit vorsieht, oder
  • die monatliche Freigrenze für sonstige Sachbezüge von 44 Euro ist nicht ausgeschöpft oder
  • das Geschenk wird anlässlich einer Betriebsveranstaltung übergeben. Für die Weihnachtsfeier gilt ein Freibetrag von 110 Euro je Arbeitnehmer, in den der Wert des Geschenks einzubeziehen ist. Für den übersteigenden Betrag kann der Arbeitgeber eine pauschale Lohnsteuer von 25 Prozent entrichten und so für eine vollständige Freistellung von Abgaben aus Sicht des Arbeitnehmers sorgen.

Zu den anderen Sachzuwendungen, die durch das Steuerrecht begünstigt sind, gehören zum Beispiel die Überlassung oder Übereignung betrieblicher Handys. Ein aktuelles Gesetzesvorhaben sieht die Erweiterung der Regelung auf die Übereignung betrieblicher Fahrräder vor. Auch bestimmte Gutscheine erfüllen die Voraussetzungen.

Die sozialversicherungsrechtliche Behandlung richtet sich grundsätzlich nach dem Steuerrecht. Das bedeutet, dass steuerfreie Gehaltsbestandteile auch nicht mit Sozialabgaben belastet sind. Auch für die meisten Vergütungsbausteine, für die das Steuerrecht eine Lohnsteuerpauschalierung zulässt, gilt die Sozialversicherungsfreiheit. Voraussetzung ist allerdings, dass die Lohnsteuerpauschalierung im Rahmen der Gehaltsabrechnung, spätestens bis zum 28. Februar des Folgejahres erfolgt sein muss.

Geldgeschenke stets steuerpflichtig

Zuwendungen an Mitarbeiter in Form von Geldbeträgen gelten immer als Arbeitslohn. Damit sind sie unabhängig von ihrer Höhe, also auch bei einem Betrag von unter 60 Euro, immer steuerpflichtig.

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